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MZ-Artikel vom 25.02.2009

Umgehungsstraße: Anwohner fürchten Autobahn

 

MÜNSTER Der zweite Tag, an dem Bürger und Behörden im Sitzungssaal der Bezirksregierung über den Ausbau der Umgehungsstraße diskutierten, brachte keinen Fortschritt. Jörg Gierse

Es ging um Verkehrsprognosen, Schallschutzwände, gemachte und gebrochene Zusagen – und immer wieder um endlose Formalien. Am Dienstagabend war schließlich klar, dass von einer Annäherung der Positionen keine Rede sein konnte.

Nach der Hälfte der viertägigen Erörterung, die Ausbau der B 51 und Neubau der B 481n einen Schritt voranbringen soll, hatten sich die Fronten eher noch verhärtet. „Die Bürger werden hier an die Wand gefahren“, fasste Alfons Katzer, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Mauritz, seinen Eindruck zusammen. Ein Vorwurf, den Dirk Griepenburg, Leiter der münsterschen Niederlassung des Landesbetriebs Straßen NRW, mit Nachdruck zurückwies.

18 Seiten Einwände

Auf 18 eng beschriebenen Seiten hatte Katzer die Einwände zusammengefasst, die er und 41 weitere Anwohner der Umgehungsstraße gegen die Stellungnahme der Behörde erheben. Viele Punkte sind lange bekannt, wurden aber nach Meinung der BI bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet. So etwa der Verdacht, die 6240 Meter lange Trasse zwischen Lütkenbecker Weg und Schifffahrter Damm werde am Ende eine Autobahn: „Sie planen hier eine innerstädtisch geführte Fernstraße“, warf Anwohner Prof. Bernhard Großfeld den Straßenbauern vor.

Dem trat Sylke Schwarz vom Aachener Ingenieurbüro IVV entgegen, die das Verkehrsgutachten für den Ausbau erstellt hatte. „Die Straße zieht nicht den Durchgangsverkehr von Köln nach Warschau an, sondern hat regionalen Charakter“, erklärte sie. Sie verwies darauf, dass der Ausbau etwa Handorf und Wolbeck deutlich entlaste.

41 700 Autos pro Tag

Auf der neuen B 51 werden laut Gutachten 41 700 Autos pro Tag rollen, nach dieser Prognose sind auch die Lärmschutzmaßnahmen berechnet. Die BI geht dagegen von bis zu 60 000 Fahrzeugen aus. Weshalb Wilfried Wortmann, 83-jähriger Veteran der Ausbaugegner, erneut die Abdeckelung des 800 Meter langen Abschnitts durch Mauritz forderte. Die hatte Straßen NRW bereits als zu teuer und nicht erforderlich abgelehnt.

Die in 24 Jahren Streit gestählte Initiative schreckt das wenig. Dass das NRW-Verkehrsministerium die Pläne nach der Erörterung entscheidend ändert, gilt zwar als unwahrscheinlich. Doch dass die BI dann vor dem Oberverwaltungsgericht gegen den Ausbau klagen wird, daran ließ Alfons Katzer gestern keinen Zweifel.

(Quelle: http://www.muensterlandzeitung.de/lokales/muenster/Umgehungsstrasse-Anwohner-fuerchten-Autobahn;art993,493223)